Wintersonnenwende
Trauer & Spiritualität

Wintersonnenwende – Neues Licht in Dunkelheit geboren

Advent, Weihnachten und der Jahreswechsel stellen oft große Herausforderungen in Zeiten der Trauer dar. Gerade in dieser Zeit wird häufig so deutlich, wie sehr die geliebte Person fehlt und wie leer dieser eine Platz ist, der sonst von ihr besetzt war. Dazu habe ich vor zwei Jahren etwas geschrieben, das dir vielleicht auch in diesem Jahr eine Hilfe sein kann: „Weihnachten ohne dich – Wie soll das gehen?“ Heute möchte ich gemeinsam mit dir aus einer anderen Sicht auf diese Zeit schauen. Eine Zeit, in der viele Menschen in Hektik sind und die doch eigentlich zutiefst zur Einkehr einlädt. Eine Zeit, in der die Natur uns zeigt, was möglich ist. Eine Zeit, die im Hinblick auf die Trauer eine sehr hohe Symbolkraft hat.

Bis zur Wintersonnenwende am 21. Dezember zieht sich das Licht der Sonne kontinuierlich zurück. Immer kürzer werden die Tage, die Dunkelheit nimmt ihren größtmöglichen Raum ein. Jedes Jahr aufs Neue breitet sie sich aus und lädt uns ein, mehr Zeit in unseren Häusern zu verbringen. Bis zu dem Punkt, an dem das Licht neu geboren wird. Inmitten der Dunkelheit kommt es zurück. Fast schon unbemerkt werden die Tage wieder länger, während draußen noch Winter herrscht. Wie ein Funke, der gesetzt wird und sich von da an seine Zeit bis zur vollen Entfaltung nimmt. Genau die Zeit, die er braucht, nicht mehr und nicht weniger. Manches Mal schon habe ich mir vorgestellt wie es wohl für ein außerirdisches Wesen hier wäre bei einer Landung mitten im Winter. Alles sieht so tot und verlassen aus. Und doch bleibt tief drinnen der Same erhalten, der alles Leben in sich hält. Es ist eine Zeit des Rückzugs, des Innehaltens und Erstarrens. Und noch während alles im Außen erstarrt und wie tot zu sein scheint, bahnt sich das Licht langsam und beharrlich seinen Weg. Bis hin zum Frühling, in dem neues Leben erwachen kann.

So ist es im Kreislauf der Jahreszeiten und des Lebens. Wenn wir genau hinsehen und spüren, dürfen wir erkennen, dass alles Leben diesen natürlichen Rhythmen und Kreisläufen unterworfen ist. Unsere Vorfahren waren sich dessen sicher noch bewusster, lebten sie doch mehr im Einklang mit und unter dem Einfluss der Natur. Wir modernen Menschen denken manchmal, wir hätten diese Natur besiegt, müssten uns ihr nicht mehr unterordnen. Aber nur weil wir es geschafft haben, immer warme Häuser und volle Supermärkte zu haben, heißt das nicht, dass wir nicht mehr Teil des Ganzen sind, dass diese Urkraft der Natur nicht auch in uns wohnt. Alles ist in allem enthalten, das Innen ein Spiegel des Außen und umgekehrt.

So ist es auch in uns ein ewiger Kreislauf von Werden und Vergehen. Und so taucht uns die Trauer um diesen geliebten Menschen in eine tiefe Dunkelheit, einen oft langen seelischen Winter. Schmerz, Verzweiflung und Traurigkeit nehmen in dieser Zeit so viel Raum ein, dass Freude oder gar Glück nur wenig Platz haben. Und doch, auch wenn es sich zeitweise nicht so anfühlen mag, bleibt in uns immer dieser Same erhalten. Dieser Kern, der wir sind wenn alles andere zerfällt. Diese Essenz, die unser wahres Sein beinhaltet. Dieser Same eben, der das ganze Leben in sich trägt. Und so gibt es auch in der Trauer dieses Licht, das nie ganz erlischt. Das ganz sanft und unbemerkt am tiefsten Punkt der Dunkelheit irgendwo in uns neu geboren wird. Noch während wir mit der Dunkelheit kämpfen und das Licht scheinbar für immer verloren ist, wird irgendwo in uns dieser neue Funke gesetzt. Und wie es in der Natur ist, so ist es auch in uns: Alles braucht seine Zeit. Die Dunkelheit genauso wie das Licht. Der Rückzug ebenso wie das Erblühen.

Können wir uns erlauben, uns diese Zeit zu nehmen? Können wir uns selbst erlauben, in die Dunkelheit zu gehen, ganz im Vertrauen, dass wir mitten im Schmerz das neue Licht finden werden? Können wir uns erlauben, mit den Rhythmen des Lebens zu fließen ohne uns dagegen zu stemmen? Und entsteht das tiefe Leiden nicht vor allem daraus, dass wir von uns selbst und anderen erwarten, nicht mehr Teil dessen zu sein, was wir sind? Was wäre, wenn wir unsere wahre Natur umarmen anstatt ablehnen könnten? Was wäre, wenn es völlig in Ordnung wäre, eine Zeit lang nicht zu funktionieren? So wie auch die Pflanzen im Winter keine Früchte tragen, so könnten wir uns selbst erlauben, im Winter unserer Seele nichts erbringen zu müssen.

Die Zeit um die Wintersonnenwende war und ist eine mystische Zeit. Eine Zeit, in der ganz im Stillen und Verborgenen geschieht, was im Außen noch lange nicht sichtbar ist. Eine Zeit, in der auch die Tore zu anderen Welten ein wenig offener stehen als sonst. Eine Zeit, in der wir eingeladen sind ganz still zu werden, um den Botschaften unserer Seele, unseres Herzens zu lauschen. Vielleicht auch der Botschaften anderer Wesen, des Universums, des Lebens, Gottes, unserer Verstorbenen oder woran auch immer du glauben magst. Werde still und vertraue deiner inneren Wahrnehmung. Werde still und vertraue vor allem dir selbst, deiner Trauer und dem Prozess, der dich durch diese dunkle Zeit führen wird. Neues Licht wurde bereits in dir geboren, auch wenn es womöglich noch einen langen Weg bis zur Sichtbarkeit vor sich hat.

 

   
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4 Comments

  • Reply sabine eller 26. Dezember 2018 at 10:06

    liebe silke, ein schoener text mit einer beruehrenden verknuepfung des trauerprozyesses mit der wintersonnwendzeit. herzensgruss sabine

    • Reply Silke 31. Januar 2019 at 0:20

      Danke dir, liebe Sabine!

  • Reply Miriam Damert 6. Januar 2019 at 17:52

    Liebe Silke, sehr einfühlsam beschrieben. Dass drückt es sehr genau aus, was in dieser Zeit in und um uns geschieht. Lg, Miriam

  • Reply Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche: Wenn Licht und Dunkel sich die Waage halten - In lauter Trauer 23. März 2019 at 12:57

    […] einen besonderen Tag im Jahreskreis erleben: Die Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche. Nachdem mit der Wintersonnenwende der Punkt tiefster Dunkelheit überschritten ist, folgt zum Frühlingsbeginn der Tag, an dem Licht […]

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