corona-erzaehlungen

Was kann das Virus mir schon anhaben?
Erzählung von Reinhard

„Danke für Deinen Seelenraum, Reinhard. Deine Liebe wiegt wie viele Göttertaten. …“

Wie es sich wohl anfühlt, in einem Erdenleib zu wohnen, den das Nervensystem schon von Geburt an langsam aber stetig wieder verlässt, bevor es noch richtig Besitz von ihm ergreifen konnte? Kein Schwebebalken, keine Rollschuhe, kein Diskofox, kein Hochzeitswalzer, …

„… Fühle jetzt neues Werden Dir zuströmen. Du kannst mich begleiten, wenn Du willst. …“

… Hände und Arme, die nicht das ausführen, was Du intendierst … Ohren, die zwar hören, das Gehörte aber nur unvollständig an das Sprachzentrum weiterleiten können … Heftigste Muskelkrämpfe, die Dich am Luftholen hindern … Lageempfindungsstörungen mit den damit verbundenen nächtlichen Panikattacken … Lebensbedrohliche Unterzuckerungen, wenn die Pfleger nach der Insulingabe wichtigere Dinge zu tun haben, als Dich zu füttern …

„… Und selbst immer neu erwachen. Und: pflege Dein eigenes Leben, Deine Leibeshüllen sorgsam. Du sollst noch einen Weg gehen auf der Erde …“

Jetzt sind es erst knapp sieben Wochen, in denen ich coronabedingt auf persönliche Kontakte weitestgehend verzichten sollte. Trotz Großstadtluft ist es viel ruhiger um mich herum, ich bin zu Fuß viel an der frischen Luft, zu selten auch in meinen geliebten Bergen… Wie hast Du nur die immer weiter zunehmende Isolation ertragen, die Dich mehr und mehr auf Dich selbst zurückwarf? Und bliebst dabei dennoch so liebevoll interessiert an Deinem großen, vielfältigen Umkreis?

„… Erdenwesen wollen Dich kennenlernen. Erdengötter warten auf das, was Du Dir erwerben konntest …“

Nach mehr als einem viertel Jahrhundert pflegebedingter Pause entdecke ich die Fruchtbarkeit der Erde neu, lockere den steinharten, knochentrockenen Gartenboden, pflanze Radieserl, Erbsen, Fenchel, Lauch und vielfarbige Bienennahrung … und erfreue mich mit den Blaumeisen, dem Rotkehlchen und dem zutraulichen Oachkatzerl an dem frischen Grün.

„… Ich will Dir die Christusnähe senden. Habe Mut und Vertrauen in Dein Neu-Werden – und Frohsinn.“

Danke Dir, Sabine, für die herausfordernd-schöne, intensive gemeinsamen Zeit! Wir treffen uns dereinst – leibbefreit – wieder. Bis dahin beherzige ich insbesondere auch Dein letztes Wort. Du hast es mir ja über all‘ die Jahre hinweg täglich vorgelebt. Unter anderem mit dem rauschenden Fest zu Deinem 50. Geburtstag, Deinem großen Abschiedsgeschenk an uns alle. Da lasse ich mich von diesem Virus doch nicht unterkriegen, das wär’ ja mehr als lächerlich.

Ich liebe Dich ☺️

(Erzählt von Reinhard)

 

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