Weiterleben

Wozu muss immer jemand schuld sein?

Manchmal kann ich es kaum ertragen. Ich versuche schon, dem Nachrichtenkonsum so weit es geht aus dem Weg zu gehen. Und dann kann ich es doch nicht ganz vermeiden. Ich lese davon, wie die Heimleitung schuld daran sei, dass es in einem Pflegeheim einen größeren Covid19-Ausbruch gab. Ich lese, wie unvernünftige Eltern, schlittenfahrende Kinder, Urlaubsrückkehrer, angebliche Partymacher, die Politik oder sonst irgendwer schuld sei an der aktuellen Lage. Und ich lese Kommentare, in denen geradezu geschrien wird nach Bestrafung, nach Aufklärung, nach „Sowas darf nicht passieren, das hätte doch von Anfang an..“.

Puh. Es macht mich müde. Sehr sehr müde. Und es hat nicht bloß mit Corona zu tun. Tief verankert scheint es in unserer Welt zu sein. Der Schuldige muss gefunden werden. Öffentlich an den Pranger gestellt. Bestraft. Fertig.

Und dann?

Was ist mit der Ursache? Was ist im Hier und Jetzt die Lösung? Was ist mit all den vielen Aspekten, die jede Situation zu der macht, die sie ist? Was ist mit den Menschen selbst, über die auf einmal so viele zu wissen scheinen, was sie alles angeblich wissentlich falsch gemacht haben?

Woher kommt das? Und vor allem: Wie bringt es uns weiter?

Wie wäre unser Miteinander, wenn wir anstatt nur den Schuldigen ausfindig zu machen, danach fragen würden, wie wir helfen können? Wenn zum Beispiel bei Corona-Fällen in einem Pflegeheim statt Schuldzuweisungen und öffentliche Anklagen die ehrliche Frage käme: „Wie können wir euch helfen? Was braucht ihr, um damit jetzt gut umgehen zu können? Wie können wir das gemeinsam schaffen?“

Jede und jeder von uns tut doch immer sein Bestes. In jedem Moment wägen wir ab, was geht, was möglich ist, wie wir mit aktuellen Situationen umgehen. Wie wäre es, wenn wir uns aus dieser Haltung heraus begegnen würden anstatt immer anzunehmen, der andere sei schuldig, unverantwortlich, böse und vor allem Grund dafür, dass meine Situation nun noch schlimmer wird?

Ich beobachte so viel Angst vor dieser Schuld. Auch in mir. Angst davor, plötzlich im Scheinwerferlicht zu stehen und für etwas angeklagt zu werden, was womöglich ganz anders war. Oder genau so und dennoch nicht vermeidbar. In jedem Fall nicht umkehrbar. Wie kann ein liebevolles, wertschätzendes Miteinander möglich sein, wenn wir alle ständig Angst davor haben müssen, an etwas schuld zu sein? Wenn wir alle ständig aufeinander schauen, wer wohl den nächsten Fehler macht, auf den wir uns stürzen können?

Es ist nicht die Welt, in der ich gerne leben möchte.

Und du?

Was hältst du davon, dich gemeinsam mit mir darauf auszurichten, einen Beitrag zu einer Welt zu leisten, in der wir uns gegenseitig unterstützen, wertschätzen, zuhören. Eine Welt, in der wir Verantwortung für unser Tun übernehmen ohne ständig in schuldig und unschuldig, Opfer und Täter, gut und böse unterscheiden zu müssen. Eine Welt, die bunt ist anstatt lediglich schwarz-weiß. Eine Welt, in der wir einander fragen, was wir brauchen, anstatt darüber zu schimpfen, was der andere (angeblich) falsch gemacht hat. Ja, so eine Welt wünsche ich mir.

Und du, in welcher Welt würdest du gerne leben?

   

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