Weiterleben

Unsere Zeit hatte seine Zeit – Gedanken zum neu Verlieben

Es ist ein Thema, das sich nach dem Tod des Partners oder der Partnerin ganz automatisch aufdrängt. Die Frage nach einer neuen Partnerschaft. Wir stellen sie uns selbst oder werden danach gefragt. Wann ist es okay? Ist es überhaupt okay? Wie kann es gehen und was würde es bedeuten? Wollen wir es überhaupt?

Und egal wie unser Weg aussieht, irgendwer wird immer etwas daran auszusetzen haben. Wenn wir uns schnell neu verlieben und eine neue Beziehung eingehen, dann wird irgendwer sagen, es sei zu früh. Und wenn wir lange warten oder vielleicht nie mehr eine neue Beziehung führen, dann werden andere genauso darüber urteilen.

Dabei gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, keinen einen Weg, der für alle gut ist. Die Liebe lässt sich nicht planen. Wer kann schon wissen, ob und wann uns wieder jemand begegnet, mit dem wir uns auf dieses Abenteuer einlassen wollen?

Denn ein Abenteuer, das ist es doch immer. Zwei Menschen, die zueinander finden und die Liebe miteinander leben wollen. Das ist ganz schön groß und lässt sich nicht einfach so herstellen. Sich darauf einzulassen, gerade nach einem so schmerzhaften Verlust, das braucht Mut. Verlustängste zu fühlen, sich auf diesen Menschen neu einzustellen. Sich selbst zu zeigen, so wie man jetzt ist. Vielleicht unsicher, noch verletzt oder traurig, in Angst vor neuen Verletzungen, noch nicht ganz klar wer man eigentlich ist.

Das ist vermutlich immer irgendwie da, am Anfang einer Beziehung. Und doch verändert die Erfahrung des Todes ja auch etwas im Leben. Am Anfang fühlt es sich vielleicht fast wie betrügen an, schließlich haben wir mit dem anderen Partner nie schlussgemacht, es nicht freiwillig beendet. Es wurde beendet durch den Tod.

Ich selbst konnte mir das anfangs überhaupt nicht vorstellen. Schon allein längere Gespräche mit einem anderen Mann kamen mir wie Verrat vor. Ich wollte es nicht wirklich und es war kein Trost für mich, dass ich womöglich wieder jemanden finden würde. Ich brauchte Zeit. Zeit für mich, für die Trauer, eben einfach Zeit. Und dann ist es ja auch nicht unbedingt das Ziel der Trauer, wieder „bereit“ für jemanden zu sein. Die Trauer darf gehen, auch ohne neuen Partner. Und manchmal bleibt sie auch während einer neuen Beziehung. Wie immer gibt es so viele mögliche Erfahrungen, die wir hier machen können. Und keine ist besser oder schlechter als die andere. So viele verschiedene Arten, wie wir unser Leben leben können.

Was das Schlussmachen angeht, so hat es Chris Paul einmal im Rahmen der Ausbildung zur Trauerbegleiterin sinngemäß so ausgedrückt: Menschen nach dem Verlust des Partners oder der Partnerin kommen häufig irgendwann an einen Punkt, an dem sie auf ihre Art die Beziehung beenden. Das ist nicht immer so und ich hätte alleine den Gedanken am Anfang vermutlich sehr abgelehnt. Doch wenn ich so zurück blicke, dann gab es Momente, in denen ich mich in kleinen Ritualen mehr oder weniger bewusst getrennt habe. Von ihm als Partner, als Mensch. Denn der ist er hier nicht mehr. Eine Verbindung blieb für mich weiter spürbar, sie hatte aber nichts mehr mit einer Partnerschaft zu tun. Die Erinnerungen sind weiter da, ich bin dankbar für die gemeinsame Zeit. Eine Zeit, die nun in der Vergangenheit liegt. Eine Zeit, die ein Teil meines Lebens ist und gleichzeitig vorbei.

Unsere Zeit hatte seine Zeit und nun ist es eine ganz andere.

Einfach so. Weil das Leben weiter fließt.

Und so kommt es heute, dass meine neue Beziehung nicht mehr viel mit damals zu tun hat. Es ist einfach ein neues Leben, neues Lieben. Als ich davon erzählte, wurde mir gesagt, dass Julian sich bestimmt freut und sozusagen seinen Segen dafür gibt. Ich fand es einen nachvollziehbaren und für mich persönlich doch irgendwie abgehobenen Gedanken. Mir selbst stellt sich nach sieben Jahren diese Frage nicht mehr. Ob ich es darf, ob es okay ist, was Julian davon halten würde. Es ist mein Leben. In mir kam direkt der Gedanke, dass es ihn eigentlich gar nichts mehr angeht. Die Zeit ist weitergegangen und hat neues Leben gebracht. Es ist ein Weg. Ein Prozess. Und es lohnt sich, ihn zu gehen. Wohin auch immer er führen mag.

Wie ist es für dich? Kannst du dir eine neue Beziehung vorstellen? Wünschst du sie dir oder hast du vielleicht schon eine? Wie erlebst du es?

Foto: pixabay

   

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