Traurigkeit
Weiterleben

Tiefe Traurigkeit

Da bist du wieder. Du Welle der tiefen Traurigkeit. Umspülst mich, gehst tief in mich hinein oder kommst aus meiner Tiefe oder vielleicht beides. Ich weiß, du willst gefühlt werden. Aber weißt du, es passt gerade gar nicht so gut, dass du hier bist. Es gibt doch so viel zu tun hier gerade. Ich müsste doch nur anfangen und dann bin ich bestimmt bald fertig. Und dann könnte ich dich doch in aller Ruhe fühlen?

Ich weiß, darauf lässt du dich nicht mehr ein. Nein, eigentlich will ich es selbst nicht mehr. Denn ich weiß, es ist viel einfacher, dich direkt zu fühlen. In diesem Moment, in dem du da bist. Fühlen heißt nicht, dass ich mich ganz in dir verlieren muss, mich komplett wegschwemmen lassen. Fühlen heißt nicht, dass dein Besuch zum Drama werden muss. Nein, fühlen heißt einfach nur still dasitzen. Und deine Welle durch meinen Körper fließen lassen. Wahrnehmen, wie du dich heute anfühlst. An welchen Stellen du Schwere bringst, wie du dich heute, genau jetzt, in meinem Körper ausdrücken möchtest. Fühlen heißt, dass die Tränen fließen dürfen. Solange sie wollen. Und dabei gut für mich zu sorgen. Fühlen heißt für mich auch, das, was da ist, auszudrücken. Musik hilft mir, noch tiefer zu fühlen. Ja, liebe Traurigkeit, ich kann dich mit diesem traurigen Lied unterstützen und so noch tiefer in dich eintauchen. Ich öffne mein Herz für dich. Breite dich aus. Wie eine warme Decke oder eine warme Welle eben. Ich weiß, du willst gar nicht tagelang dableiben. Du bist doch einfach bloß hier und jetzt da und wie lange dieses Hier und Jetzt dauert, spielt gerade gar keine Rolle. Ich gebe mich dir hin. Fühlen heißt auch, dass ich das, was ist, aufschreibe. Fühlen kann auch heißen, in die Natur zu gehen, wo ich mich gemeinsam mit dir an diesen geduldigen Baum lehnen und einfach sein kann.

Ach Traurigkeit. Was hatten wir für wilde Zeiten in den letzten Jahren. Immer wieder wollte ich dich nicht haben. Was für ein Kampf. Es tut mir leid, dass ich dich nicht erkannt habe als die, die du bist. Es war aber auch so ein großer Schmerz einfach, ich dachte, ich könnte das nicht aushalten und nicht ertragen. Du kamst, um mir dabei zu helfen, und ich wollte dich wegschicken.

Ach Traurigkeit. Jetzt fühle ich dich so viel tiefer und klarer als jemals zuvor. Ich war so abgeschnitten von mir selbst. All die Jahre.

Danke, dass du da bist.

 

   

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Zwischen den Welten - Silke Szymura Ein Teil von mir - Silke Szymura

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1 Comment

  • Reply Andreas 27. Februar 2018 at 14:21

    Wenn die Traurigkeit kommt, dann frage ich sie was sie will. Will sie mir helfen dann lasse ich sie in mich ein. Und es hat bisher immer geholfen mich darauf einzulassen, denn hinterher fühlte ich mich freier.
    Die Begegnungen mit der Traurigkeit werden immer kürzer und seltener. Doch es wird immer wieder zu Begegnungen mit ihr kommen. Das ist gut so.
    Ich bin dankbar dafür, das sie mir seit dem Tod meiner Frau zur Seite stand. Ich hatte sie vorher nicht wahr genommen. Ich konnte mich in ihr fallen lassen und kann dann gestärkt weiterleben.
    Ich spüre wieder, das Leben ist schön.
    Grüße an alle,

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