Weiterleben

Es ist leichter, wenn du dir erlaubst, du selbst zu sein

Vor ein paar Tagen hat es in meinem Zimmer gebrannt. Meinen schönen, gemütlichen Sessel haben die Flammen gefressen, mehr ist zum Glück nicht passiert. Seitdem bin ich damit beschäftigt, alles wieder sauber zu kriegen. Putzen, aufräumen und noch mehr putzen.

Alles, wirklich jede kleinste Ecke meines Zimmers ist voll rußigem Feuerlöscherzeugs. Und natürlich war mein Zimmer nicht ordentlich aufgeräumt als das passiert ist. Das ist es eigentlich nur, wenn mal Besuch kommt. Und selbst dann, es liegt einfach immer viel rum, besonders auf dem Schreibtisch. Die einen nennen es unordentlich, die anderen vielleicht „kreatives Chaos“. Es ist einfach mein Zimmer, so wie es ist.

„Es wäre doch so viel leichter für dich, wenn du anders wärst!“

Wenn ich grundsätzlich ordentlicher wäre und alles immer sofort an seinen Platz räumen würde, dann hätte ich es jetzt viel leichter. Wurde mir gestern von einer wirklich ordentlichen Person vorgehalten. Und es stimmt irgendwie. Die Sache ist nur, ich hätte dafür die ganze Zeit davor nicht ich sein dürfen. Und das wäre für mich jeden Tag so viel anstrengender gewesen – nur für diesen Fall, wenn mein Sessel mal in Flammen aufgeht. Irgendwie ein verrückter Gedanke, oder?

Kurz war ich versucht, dieser Stimme zu glauben, und mich selbst dafür zu verurteilen, dass ich es mir jetzt so schwer mache. Dann ist mir klar geworden, dass ich genau richtig bin, so wie ich bin. Weil ich gar nicht falsch sein kann. Und wie sehr wir immer nur aus unserer eigenen Perspektive beurteilen können. Aus der Sicht von einer Person, der es ganz entspricht, dass nichts herumliegt, die ohne große Anstrengung stets Ordnung hält, mache ich es mir unnötig schwer. Aus meiner Sicht ist es anders.

So ist es auch in der Trauer. Für jemand anderes mag es leichter sein, einen anderen Weg damit zu gehen. Aber du kannst immer nur deinen eigenen gehen. Denn nichts ist schwerer, als dauerhaft zu versuchen, nicht du selbst zu sein.

Ich geh dann mal weiter putzen.

   
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2 Comments

  • Reply Sabine 3. Mai 2018 at 16:45

    Liebe Silke,

    vielen Dank für diesen Beitrag! Ich bin heute Nachmittag über zig Ecken und Wege auf diese Seite gelangt. Und finde mich gerade in diesem Beitrag wieder. Bei mir ist zwar nichts abgebrannt, aber wenn, hätte ich beim Putzen auch so viel mehr zu tun als diejenigen in meinem Umfeld, die spielend Ordnung halten können. Dass meine Unordnung schon fast Messi-Züge annimmt, ist natürlich suboptimal. Aber im Allgemeinen sollte ich wohl eher loslassen von dem Wunsch, mal ein durch und durch ordentlicher Mensch werden zu können, der jederzeit Besuch empfangen kann. War ich nie, werde ich nie sein.

    Langer Rede kurzer Sinn: Ich sitze mit Tränen in den Augen im Büro und mir wird wieder mal klar, dass ich endlich lernen muss, mich so zu akzeptieren, wie ich bin.

    • Reply Silke 3. Mai 2018 at 16:53

      Danke dir, liebe Sabine, für deinen Kommentar! Ich freue mich, dass ich dich mit meiner Seite und besonders mit diesem Artikel so berühren konnte. Du bist ganz wundervoll, genau so wie du bist ❤

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