Alle reden über Trauer 2019

Wir reden über Trauer, darum diese Geschichte

Er saß an ihrem Bett und hielt ihre Hand. Es war Ende November 2016, ein warmer aber trüber Tag. Die Hand, die er hielt, war die seiner Frau. Während diese Hand immer kälter wurde, dachte er daran was sie Beide noch für Träume und Wünsche gehabt haben. Sie wussten, dass es nicht mehr viel gemeinsame Zeit geben wird, nachdem der Krebs, vor vier Wochen, wiedergekommen ist.
Sie haben sich aber so sehr gewünscht, dass die Zeit noch reicht für das Weihnachtsfest, für Silvester und vielleicht noch eine gemeinsame Urlaubsreise im Januar. Doch die verbliebene Zeit für sie Beide war zu kurz.

Er schaute sie an und dachte, es kann doch nicht sein, dass dieser liebe und besondere Mensch auf einmal nicht mehr lebt. Es erschien so Ungerecht und Unwahr, denn zwei Tage vorher hatten sie doch noch zusammen Sekt mit Erdbeeren getrunken und miteinander gesprochen.

Sie sah so wunderschön aus wie sie so in ihrem Daunenkissen lag. Die Augen geschlossen, ein entspanntes und sorgloses Lächeln um ihren Mund und die schönen Haare, die ihr endlich wieder gewachsen waren. Wie sehr hatte sie sich auf diese neuen Haare gefreut.
Er war so stolz auf diese Frau, die so stark war und für jeden Menschen ein Mut machendes Lächeln parat hatte.
Und während er leise weinte, sie küsste und streichelte, dachte er daran, dass jetzt auch jede Hoffnung gegangen ist. Mit ganz viel Traurigkeit saß er an ihrem Bett, küsste und streichelte sie immer noch, und hielt dabei ihre Hand, die immer kälter wurde.

Eigentlich hoffte er in diesem Moment auf ein Wunder. Darauf, dass das alles ein Missverständnis ist und sie gleich wieder die Augen aufschlägt. Neben dem Gefühl großer Liebe und Trauer war da auf einmal auch die Gewissheit, jetzt ist etwas eingetreten wovor er sich zehn Monate lang gefürchtet hat. Dieser scheiß Krebs hatte gesiegt.

Am Nachmittag des gleichen Tages war er im naheliegenden Wald. Er irrte ziellos umher, kaum in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Die Hauptsache, er war in Bewegung. Die Belastungen der letzten Monate bahnten sich ihren Weg, sie erzeugten eine große Unruhe, Wut und Traurigkeit. Er musste nicht mehr stark sein und seine Angst unterdrücken. Er ist gelaufen ohne zu wissen wohin. Er hat geflucht, geschrien, geschimpft, geheult und hat auch daran gedacht ohne sie nicht mehr weiterleben zu können. Doch da war dieses Versprechen. Er hatte ihr versprochen weiterzuleben.
Erst sehr spät am Abend ist er aus dem Wald gekommen und in einen tiefen, traumlosen Schlaf gefallen.

Dies ist meine Erinnerung an den Tag, an dem meine Frau gestorben ist. Wie viele in dieser Situation war auch ich am Ende meiner Kräfte und völlig ohne Gefühl für meine Umwelt.
Inspiriert zu diesen Gedanken, hat mich die Frage: „Wie war das für Dich Opa?“

   
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1 Comment

  • Reply lieselotte 30. März 2019 at 21:35

    welche wundervollen worte!

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