Alle reden über Trauer 2019

Trauer

Anonyme Verfasserin.

Seit fast einem Jahr wird mein Leben von Trauer, Schmerz, Tränen, Sehnsucht und auch und immer wieder schönen Momenten des Tages bestimmt. Ich habe meinen Sohn in die andere Welt gehen lassen müssen.

  • Wie beschreibe ich ein Jahr Trauer?
  • Wie beschreibe ich, dass die Welt in Stücke fiel?
  • Mein Leben nur noch aus Trümmer bestand?
  • Mein Leben – das gab es nicht mehr und ich habe es noch nicht wiedergefunden.
  • Mein Leben – das muss ich neu erfinden. Das Alte ist weg und ein neues noch nicht da.
  • ……

Vielleicht schreibe ich aber doch ganz anders, indem ich erzähle, wie ich meinen Tag begann:

„Heute morgen war ich endlich mal wieder laufen. Ich habe mein regelmäßiges Lauftraining noch nicht wieder wirklich aufgenommen. Fühle mich oft viel zu schwer und zu schwach. Die Trauer ist immer dabei und drückt mich nieder.

Heute habe ich mich in dieses Gefühl fallen lassen. Ging gedanklich in ein Gespräch mit meinem Sohn (Harry) und dann kam: „Anne, Lauf einfach. Ich kann dir Kraft schicken, wenn sie dir nicht reicht. Mir war das Laufen ja immer zu fad, jetzt kann ich mit dir mitlaufen.“

Ich habe ein Selfie von Harry, das er bei einem seiner Läufe aufgenommen hat, ausgedruckt. Das werde ich jetzt immer einstecken.

Außerdem wurde mir heute noch was klar: als Mama habe ich immer die Verantwortung für ihn übernommen, wenn es nötig war. Mein Kind behütet, soweit es ging, ohne ihn dabei zu erdrücken (denn darunter habe ich als Kind und Jugendliche gelitten). Unsere Beziehung war in den letzten Jahren eine Beziehung auf Augenhöhe. Und nun? Ich habe oft das Gefühl, auch im an ihn denken auch wenn ich gedanklich mit ihm spreche, aufpassen zu müssen, was ich denke, weil er ja mein Kind ist.

Vor 8 Jahren haben wir zusammen einen Kletterkurs (er war 14 Jahre) gemacht. Harry war mein Partner und hat mich am Seil gesichert, während ich kletterte. Da habe ich mir die Frage gestellt, kann ich die Verantwortung an ihn abgeben? Mein Kind, dass für mich in dem Moment die Verantwortung hat. Ich habe sie buchstäblich in seine Hände gelegt.

Für mich ist wichtig, dass ich jetzt an ihn als einen Erwachsenen denken kann und ihm so auch jetzt sagen kann, was mir durch den Kopf geht. Verantwortung umgekehrt? Nein, er war erwachsen und ich darf an ihn als solchen denken.“

Der Tod hat alles verändert, nichts ist mehr wie es war. Die Trauer hilft mir zu leben. Den Tag wieder anzugehen.

 

   
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1 Comment

  • Reply Alle reden über Trauer 2019 - In lauter Trauer 25. März 2019 at 9:07

    […] Trauergruppen & -cafés […]

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