Was der Tod uns für das Leben lehrt
Gedanken zu Trauer, Tod & Leben, Weiterleben

„Ich hätte mehr Schuhe kaufen sollen“ – Was der Tod uns über das Leben lehrt

Wenn wir versuchen, nicht an den Tod zu denken, dann tun wir das oft aus Angst. Wir reden uns ein, dass es negativ und überflüssig sei, sich damit zu beschäftigen. Schließlich wollen wir doch leben und sterben tun wir sowieso erst, wenn wir alt sind. Und wer weiß, vielleicht hat die Medizin dieses Problem ja bis dahin sowieso gelöst. Doch ist der Gedanke an den Tod wirklich so negativ und hindert er uns daran, zu leben? Oder ist es nicht viel eher so, dass eine Auseinandersetzung mit Tod und Vergänglichkeit uns hin zum Leben führt und letzten Endes eine große Bereicherung darstellt? 

Wenn wir uns vor Augen halten, dass unsere Zeit hier begrenzt ist, dann erhält alles, was wir tun, plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Wenn wir nicht endlos Zeit haben, was sind dann die wirklich wichtigen Dinge? Oder anders gefragt:

Welche dieser Sätze werden wir wohl auf unserem Sterbebett sagen?

“Mist, ich hätte unbedingt doch noch diese schicken roten Schuhe kaufen sollen, sie würden so gut zu meinem neuen Kleid passen!”

“Hätte ich bloß mehr Überstunden gemacht und der Arbeit eine höhere Priorität gegeben, dann hätte ich nicht so viel Zeit mit Freunden und Familie verbringen müssen. ”

“Wenn ich mehr Geld verdient hätte, könnten meine Angehörigen eine viel größere Trauerfeier geben.”

“Ich bin so dankbar, dass ich so viel ferngesehen habe, um mich dann immer ausgiebig über das Programm aufregen zu können.”

“Hätte ich bloß mehr Zeit auf Facebook verbracht, anstatt mich mit meinen Freunden zu treffen.”

“Ich wünschte, ich hätte immer das neueste Macbook gehabt.”

“Es war gut und richtig, auf den richtigen Moment zur Verwirklichung meiner Träume zu warten, auch wenn der nie gekommen ist.”

Was meinst du, wirst du etwas davon sagen am Ende deines Lebens? Ich mag diese Überlegung, weil sie uns wunderbar vor Augen führt, wie sehr wir uns im Alltag oft in Dingen verrennen und Dinge für wichtig erachten, die am Ende, wenn man im Angesicht der Endlichkeit und Vergänglichkeit auf das Leben zurückschaut, sehr viel an Bedeutung verlieren. Ich werde ganz sicher nicht bereuen, nicht mehr Schuhe, Macbooks oder Autos gekauft zu haben. Aber was würde ich stattdessen bereuen?

Was kann ich heute dafür tun, damit ich am Ende meines Lebens möglichst wenig Reue empfinde?

Für mich heißt das nicht, dass ich mich ausschließlich mit den ganz wichtigen Dingen des Lebens beschäftigen möchte. Ich glaube vielmehr, dass der Sinn des Lebens auch darin besteht, dieses Leben, das uns geschenkt wurde, tatsächlich zu leben. Und dazu kann sicherlich auch die Freude über ein neues Paar Schuhe passend zum Kleid, Zeit auf Facebook vertrödeln, die ein oder andere Überstunde oder „sinnlose“ Fernsehsendungen gehören. Aber ich glaube auch, dass es gut ist, sich immer wieder bewusst zu machen, was wir tun und ob wir langfristig das, was uns persönlich wirklich am wichtigsten ist, dadurch vernachlässigen. Was hat wirklich Priorität in unserem Leben?

Wenn du nur noch 1 Jahr zu leben hättest, womit würdest du es verbringen?

(Inspiriert von einem Artikel auf Healthy Habits)

   

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10 Comments

  • Reply Gabi Loesch 5. Juli 2016 at 12:48

    Ich würde das Jahr im Garten verbringen und mit meiner Familie alle Feste feiern, die uns nur einfallen.
    Und ich würde dankbar sein für jeden Atemzug.

    • Reply Silke 5. Juli 2016 at 12:51

      Das klingt toll, Gabi 🙂

  • Reply Astrid Hagels 9. Juli 2016 at 22:31

    Silke, du hast gute Ideen… nur noch zu Fuß durch die schönste Natur laufen… na, vielleicht ein bisschen auch mit dem Rad…

    • Reply Silke 17. Juli 2016 at 12:56

      Oh, das klingt schön, Astrid. Einfach laufen, genießen und wahrnehmen, was die Natur uns schönes zu bieten hat.

  • Reply Andrea 5. August 2016 at 16:23

    Silke, ich musste bei diesem Artikel spontan an einen Naturfotografen denken, der die Uni verlassen hat und sich wirklich der Naturfotografie gewidmet hat, nachdem er sich bewusst gemacht hatte, wie viele Frühlinge er wohl hat, in denen er bestimmtes Verhalten und ein bestimmtes Erscheinungsbild der Landschaft fotografieren kann. Das waren nicht beliebig viele, eigentlich sogar eine erschreckend geringe Anzahl. Da wollte er dann keinen einzigen mehr vertrödeln.
    Ich glaube, dass es gut ist, sich die Endlichkeit bewusst zu machen. Ob es nun Frühlinge sind, an denen wir das festmachen oder etwas anderes.

    • Reply Silke 6. August 2016 at 22:37

      Wow, was für eine berührende Geschichte des Naturfotografen! Weißt du noch, wie er heißt? Ich liebe solche Geschichten von Menschen, die ihrem Herzen folgen .. oder ihrem Calling.
      Ganz liebe Grüße!

  • Reply Sandra 31. Oktober 2016 at 9:20

    Ich würde die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen, in der Natur, auf Reisen. Ich würde versuchen möglichst viele tolle Momenten und Erlebnisse zu sammeln, damit ich diese dann nach dem Jahr mitnehmen kann. Und ich würde ganz viele verrückte Dinge tun.
    Ich gebe aber zu, das ich dies alles eh schon versuche zu leben, nur halt in kleinem Rahmen, da ich dann doch noch arbeiten muss um mein Leben zu finanzieren. Hätte ich nur noch ein Jahr, würde ich das definitiv nicht mehr machen.
    Mein Mann ist auch gestorben und er hat definitiv nicht bereut zu wenig gearbeitet zu haben etc. Seitdem ich mich halbwegs wieder gefangen habe, lebe ich intensiver.
    Lieben Gruß,
    Hannah

  • Reply Gabriele Völkel 13. August 2018 at 11:57

    Eigentlich ist ein Jahr schon fast zu lange, nach buddhistischer Art ist es wichtig zu erkennen:“JEDEN ATEMZUG KÖNNTE DER LETZTE SEIN“ aber das gelingt mir auch nicht immer. Ich habe jedoch in den letzten Jahren meine Eltern bis zum Schluss begleitet, mein Vater Juni 2013, meine Mutter März 2015; außerdem hatte mein Mann 2 x Glück und ist dem Tod noch so entgangen, einmal von der Leiter gefallen, aber NUR drei Wirbel gebrochen, 2 Monate später morgens einen Schlaganfall gehabt, glücklicherweise war ich dabei und konnte gleich die 112 rufen, wenn er alleine gewesen wäre….. so kann und konnte ich immer wieder erkennen, wie nahe Tod und Leben nebeneinander stehen.

  • Reply Ulrike 27. Juni 2019 at 22:35

    Was könnte man alles tun in nur einem Jahr?

    Das klingt ja alles ganz toll. Aber niemand weiss, wie es wirkich ist,wenn man wirklich nur ein Jahr zu leben hätte. Das ist kein Spass, denn oft ist das Befinden mit körperlichen Einschränkungen verbunden,mit Schmerzen usw.

    Es ist eine Beleidigung gegenüber den Menschen,die ihre geliebten Menschen beggleitet haben. Welche wirklich in der Realität NUR EIN JAHR gelebt hatten.

    Man kann dann nicht spontan sagen,was man alles in nur einem Jahr noch dann so tun würde.

    Das läuft nicht,wie in einem Film ab.

    Weil man es größtenteils NICHT MEHR DANN KANN.

    Das ist die Wahrheit.

    • Reply Silke 28. Juni 2019 at 0:27

      Danke dir, liebe Ulrike, für deine ehrlichen Worte. Ja, es war damals ein Gedankenspiel in meinem Text und zugleich ist es so leicht daher gesagt. Was würde man tun. Die Frage setzt klar voraus, dass man alles tun könnte. Natürlich kann das ein Mensch, der schwer krank ist, nicht. Und so ein Jahr ist dann womöglich auch geprägt von der Hoffnung, dass doch noch ein Wunder geschieht, von Unsicherheit, Angst, überhaupt erst auch der Auseinandersetzung mit der Tatsache, tatsächlich zu sterben. Und natürlich mit den körperlichen Schmerzen, von denen du schreibst. Danke, dass du deine Erfahrung hier teilst. Es war sicher nicht als Beleidigung gemeint, ich kann beim Lesen deiner Zeilen aber nachvollziehen, dass es sich so anfühlt. Ich wünsche dir von Herzen ganz viel Kraft für deinen Weg, mit diesem Verlust zu leben. Ich wünsche dir Frieden damit, irgendwann.

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