Alle reden über Trauer 2019

Mit Leib und Seele- eine spannende Reise

Von Helga Schmidtke

Die Seele, viele Mythen und Geschichten ranken sich um sie. Die Sterbeforschung ist mittlerweile davon überzeugt, dass es sie wirklich gibt, sogar das Gewicht der Seele scheint bestimmt.
Doch was ist eine Seele, was hat sie mit unserem körperlichen Leben zu tun, was passiert mit der Seele im Sterbeprozess und warum wussten unsere Ahnen noch sehr genau um unser „Seelenleben“ und die Kraft, die dahinter, und die letztlich, in uns allen steckt?

Warum die Auseinandersetzung mit der Seele gar nichts mit Esoterik zu tun hat, sondern über-lebenswichtig ist. Davon möchte ich Euch gerne erzählen
Begebt Euch mit mir auf diese spannende Reise auf die Ebene der Seele auf die andere Ebene der Wirklichkeit unseres Seins.

Was ist eigentlich eine Seele?
Keine Mensch auf dieser Welt hat sie je gesehen und doch sprechen wir alle tagtäglich von ihr.
Die Seele ist der Grund, warum ein Mensch lebt. In der Schöpfungsgeschichte der Bibel steht im Alten Testaments – Gott bläst dem Menschen seinen Atem ein.
Aus meiner – und sicher auch aus Eurer täglichen Arbeit könnt ihr sicherlich meine These bestätigen: Jeder, der einmal einen Menschen auf seinem Weg des irischen Sterbens begleiten durfte, fühlte, dass es eine Seele gibt.
Wenn eine Person tot, also zur unbelebten, reinen Materie geworden ist, erkennst du sie nicht wieder.
Da liegt sie, fremd, als hättest du sie nie zuvor gesehen. Eine Hülle. Das Leben, die Seele, ist raus.
Stück für Stück verabschieden sich die vier Elemente aus unserem Körper. Die Erde, das Feuer, das Wasser, die Luft.
Parallel zur Materie entsteht ein heiliger Raum, der für alle Anwesenden sehr präsent zu spüren ist.
Wenn die Seele den Körper verlässt, scheint für einen Moment die Zeit in diesem heiligen Raum still zu stehen.

Im „geboren werden“ geht es genau anders herum…….. Auch wer bei einer Geburt dabei war, versteht, was mit „Seele“ gemeint ist.
Da blickt dich plötzlich jemand an, der scheinbar aus dem Nichts kommt. Und schreit den göttlichen Atem, der ihm eingeblasen wurde, mit aller Macht heraus. Der erste Schrei, der letzte Atemzug – das sind Erlebnisse, die als Begegnungen mit der Seele wahrgenommen werden.

Gott segne unseren Eingang und unseren Ausgang, so steht es schon in der Bibel.
Im Moment des geboren Werdens und auch im Moment des Sterbens entsteht ein heiliger Raum. Ja, und es ist ein Segen dieses erleben und dem beiwohnen zu dürfen. Es ist fühlbar, wenn die Seele kommt und auch wenn sie sich wieder auf den Weg nachhause macht, und es trägt, tröstet und gibt Hoffnung und Kraft zum weiterleben.
Leider verliert unsere Gesellschaft mehr und mehr den Zugang zur eigenen Spiritualität, wir verlieren den Zugang zu Uns und diesem uralten und tiefen Wissen, das ein Jeder von uns in sich trägt. Und dieses Wissen, das uns eben auch in der Trauer trägt. Das uns die Hoffnungslosigkeit nimmt.
Wir sind geistige Wesen in einem materiellen Körper und denken, alles was wir hier und heute im Jahr 2019 brauchen ist Materie. Leider funktioniert das so nicht.
Doch wir sind trainiert auf funktionieren, nicht mehr auf fühlen- und hier ist genau die Krux. Das Leben möchte gefühlt werden, denn nur darum geht es hier. Emotionen zu erfahren, sie zu spüren, zu erleben. Dazu gehören auch genau die Emotionen, die wir Menschen als eher unangenehm empfinden. Wut. Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit…..
Das Leben katapultiert uns in Sterbe- und Trauersituationen hinaus aus dem „Funktionsmodus“. Unsere inneren Uhren beginnen plötzlich anders zu ticken. Und wir spüren, das unser Umfeld sich uns gegenüber verändert.
Oder verändern wir uns? Wahrscheinlich beides……Doch Fakt ist, in einer Trauersituation beginnen wir plötzlich einen eigenen Rhythmus zu finden, der in der Regel nicht mehr kompatibel ist mit dem unseres Umfeldes. Wir beginnen, andere Bedürfnisse in uns wahrzunehmen, haben keine Kraft mehr zu gefallen und Ansprüchen und Erwartungen der anderen zu erfüllen.

DAS IST EINE CHANCE DER EIGENEN TRAUER.

Wieder den Weg zu mir zurück zu finden.
Mich zu spüren und zu überprüfen

WER BIN ICH EIGENTLICH ?
WAS NÄHRT MICH ?
Wir erleben es immer und immer wieder, wenn Menschen wieder nachhause gehen, das Materie vergänglich ist, was jedoch bleibt ist das, was einen jeden von uns ausmacht.
Wir bleiben voll Hoffnungslosigkeit und Schmerz zurück.
Doch warum ist das so?

In der Sterbebegleitung kennen wir viele Rituale, um der Seele „den Weg nachhause“ zu zeigen

  • wir öffnen die Fenster
  • verhängen Spiegel
  • zünden Kerzen an
  • geben unseren verstorbenen Blumen in die Hand
  • Wir waschen die toten Körper, ölen sie ein
  • die Seelsorge macht Aussegnungen

Es gibt noch unzählige solcher Beispiele, um deren Ursprung wir leider nicht mehr wissen, und die doch so unglaublich wichtig sind, weil sie uns tragen in unserer Trauer und in in unserer Hoffnungslosigkeit. Warum tun wir so etwas, wenn doch scheinbar die Mehrheit unserer Gesellschaft gar nicht an die Seele glaubt ?
Ein Ritual wird erst dann zu einem kraftvollen und damit wirksamen Ritus, wenn ich es mit Achtsamkeit und Bewusstsein durchführe.
Sonst bleibt es bei einer einfachen Handlung, wie man so tut, weil man sie schon immer so tat.
Wir haben die Basis unserer eigenen Spiritualität verloren, glauben nur noch an Dinge, die wir sehen, die wir begreifen können. Mit unserem Versand- NICHT mit unserem Herz- leider.
Wir stellen damit jedoch alles in Frage, was Völker im Laufe der Evolution erlebt und niedergeschrieben haben – Schriften, wie zum Beispiel das tibetische Totenbuch, die Bibel, den Buddhismus – all das, was in diesen weisen Büchern steht, stellen wir in Frage, erheben uns darüber hinweg, wenn wir behaupten, wir Menschen sind nur Materie, nicht mehr. Und wenn wir nur Materielle Wesen sind (was in sich schon ein Widerspruch ist, denn ein Wesen ist niemals materiell sondern immer geistig), dann wird es schwierig, im Tod einen Sinn und in der Trauer eine Kraft- und Bewusstseinsquelle zu entdecken.
Dann wird es schnell hoffnungslos. Ich glaube, in der Theorie kann man den Tod dann noch relativ gut abhandeln. Wenn wir jedoch in eine Lebenssituation kommen, in der wir den Schmerz des Abschiedes fühlen und dabei immer noch das Weltbild des Materialisten leben, wird es schwierig. Denn wo hat in diesem Bild die Hoffnung ihren Platz?

Es stellt sich mir vielmehr die Frage, warum wir eigentlich immer noch über ein Leben nach dem Tod diskutieren müssen. Warum wir es immer noch anzweifeln und in Frage stellen, wo die Sterbeforschung – angefangen mit Elisabeth Kübler-Ross – unendlich viele Bücher gefüllt hat mit Geschichten über Nahtoderlebnisse, Sterbephänomene und Nachtodkontakte.
Warum nehmen wir uns selbst diese unglaublich tiefe und nährende Kraftquelle dieses uralten Wissens, das schon so alt ist wie die Menschheit – dass es ein Leben nach dem Tod gibt ? Dass wir hier nur auf der Durchreise sind – wir kommen durch eine Tür und wir gehen durch eine Tür……..
Der Tod und das Sterben ist zu einem Wettkampf geworden, und macht eine Seele sich auf die Heimreise, dann haben wir hier in unserer Welt das Gefühl, wir haben versagt und der Tod ist eine Strafe.
In diesem Kreislauf verbringen Menschen dann nicht selten den Rest ihres Lebens. Ein innerer Kampf zwischen eigener Schuldzuweisung und dem Gefühl des eigenen Versagens entsteht.
Ich glaube aber, dass es eher ein ——die Seele hat entschieden, wieder nachhause zu gehen—- ist, und all den innerlichen Gram den wir fühlen, den braucht es gar nicht.
Sterben bedeutet eben nicht, verloren gegangen zu sein, sondern vielmehr vorausgegangen zu sein, weil meine ganz ureigenen Aufgabe erfüllt ist.
In diesem Sinne
geniesst das Leben
Eure Helga

Sternenkinderzentrum Odenwald e.V.

   
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