Alle reden über Trauer 2019

Für Julian

Von Ursula Warga

Julian, ich habe die Ehre, heute an Deinem Tag vor 6 Jahren, da Du in dein neues Leben gegangen bist, etwas aus lauter Trauer zu sagen:
ICH durfte Silke und somit deine Geschichte hören und fühlen beim Lesen des Buches „Zwischen den Welten“. Ich bin dankbar, dass es dieses Buch gibt, denn es gibt so vielen trauernden Menschen die Möglichkeit, sich darin wiederzufinden und noch mehr: Das Neue darin zu erkennen, dem Silke gefolgt ist. Sie wird dadurch zu einer Art Vorgängerin, denn sie geht den Weg für viele voraus, sie zeigt die Möglichkeit auf, selbst aus dem tiefsten Loch, der tiefsten Dunkelheit sich emporzustrecken, um das Licht in sich wieder zu erblicken.

Nun zu meiner Geschichte:
Mein Mann Helmut starb am 06.04.2016 an den Folgen seiner Krebskrankheit zu Hause, nachdem er knapp 3 Monate zuvor aus der Palliativstation (dort war er einen Monat nach Eintreten der Lähmung vom Lendenbereich ausgehend abwärts und wurde bestrahlt) im Krankenhaus entlassen worden war. Man hatte ihn dort aufgegeben und wir waren beide froh, dass er zuhause gepflegt werden konnte und wir wieder die Möglichkeit hatten die Heilung, an die wir nach wie vor glaubten, zu empfangen. Ein- – bis zweimal pro Tag kam die Krankenpflegestation und viele andere Helfer waren integriert. Helmut hatte zu der Zeit eine Schmerzpumpe.
Es war nicht eindeutig, dass er sterben würde, jedenfalls nicht für mich. Aber das ist vermutlich relativ, möchte man es einfach nicht sehen..
Zeichen für den nahenden Tod gab es im Rückblick einige, denn er erlebte dieses Aufblühen der Seele sehr intensiv. Ich deutete es halt anders. Einen Tag zuvor sagte er mir eindrücklich, wie sehr es ihm nun besser ginge und dass er sich so befreit und psychisch stabil fühle, wie lange nicht. Er war ganz zuversichtlich und machte mir großen Mut damit.
Ein Geistheiler, der noch am selben Tag zu ihm kam, sagte mir klar und deutlich beim Weggehen: „Ihr Mann steht am Grat und kein Mensch dieser Welt wird das beeinflussen können. Nur seine Seele weiß, wohin er geht.“ Ich dachte es ist klar, wohin er gehen wird, er wird den Weg des Lebens gehen. Dieser Mann war wie Jesus für mich, klar und voller Liebe. Noch immer wollte ich nichts wissen von der Möglichkeit, dass er gehen könnte.
Mein Bruder kam am Abend zu Besuch und mein Mann sagte ihm Dinge wie: „Ich danke Dir für alles, was Du für uns tust“ und dergleichen, was er sonst nicht tat. Auch das war für mich nicht weiter verwunderlich.
In dieser Nacht schlief ich nicht wie gewöhnlich im Zimmer neben des Krankenbettes, sondern direkt im Wohnzimmer auf der Couch, um sicher zu sein, ihn bei seinem nächtlichen Husten zu hören, denn dieser war gerade etwas stärker als sonst. Um etwa 3 Uhr war bei ihm noch alles wie gewohnt, er trank und schlief wieder ein.
Ich wurde um 5.45 vom Handy meiner Tochter geweckt, was irgendwo im Wohnzimmer klingelte (sie hatte es erst zwei Tage zuvor zum Geburtstag bekommen) und als ich aufstand um es auszuschalten sah ich Helmut in seiner großen Not. Seine eine Gesichtshälfte hing herunter und er wollte sich mitteilen, aber es ging nicht mehr. Im Affekt rief ich den Notarzt, anstatt mich auf ihn zu konzentrieren und das, was gerade geschieht. Ich lagerte ihn auf die Seite und dann ging es ganz schnell, die Abstände seines Atems wurden immer langsamer, seine Hände krallten am Holz des Krankenbettes und meine lagen auf seinen und plötzlich rief es aus mir heraus: „Jesus komm!“

Da öffneten sich seine Augen und sein ganzes Gesicht strahlte mich an. Es war sein letzter Blick für mich. Während sein Atem ausblieb, klingelte es bereits an der Tür. Der Notarzt kam. 6.00 Uhr. Ich ging in das erste Kinderzimmer, wo sich schon alle drei versammelt hatten, und alles nahm seinen Lauf.

Dieser Augenblick ist es, was mein Erwachen in die Wege leitet, aber nicht sofort durchdrang. Es ist sein Blick, worin Gott sich spiegelte, der tief in meiner Seele verankert ist, der mir sagt, geh, geh jetzt deinen Weg. Wir sehen uns wieder. Alles ist gut. Diese Botschaft hatte ich im Unterbewusstsein und erst später, als ich zur Ruhe kam, kam sie empor in mein klares Bewusstsein.

In der ersten Zeit war ich wie ferngesteuert, funktionierte, folgte einfach dem Ruf: Die Kinder brauchen dich, kämpfe und geh. Ich ging und folgte und war wohl unendlich getragen von den Energien meines Umfeldes, der geistigen Welt, Helmuts?
Etwa nach drei Monaten, als sich die finanzielle Situation soweit klärte, dass endlich Geld floss und Sicherheit da war, dass das Haus nicht verkauft werden musste, wir also darin wohnen bleiben konnten, die Krankenversicherung geklärt war etc. stellte sich eine gewisse Ruhe ein, die auch wiederum mir das Signal gab: Jetzt darfst du dich hingeben, dich hängenlassen, dich endlich fallenlassen. Jeden Morgen, wenn die Kinder hinter sich die Türe schlossen um zur Schule zu gehen, hatte ich wieder meine Zeit zum Trauern. Dort wurde ich laut, schrie, brüllte, klagte und haderte. Erst war die Zeit des Dramas, der Wut, des Zorns, des Neides zu anderen, denen gefühlt niemals so etwas Schlimmes widerfährt, Scham, ja Scham und Schuldgefühl, Existenzangt, Behördengänge, all das was alle Trauernden durchmachen. Aber dieses Drama war nicht durchgängig, es gab immer auch Lachen und Zuversicht. Im Grundtonus war es furchtbar und ein Ende war nicht in Sicht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich jemals wieder froh sein würde.
Irgendwann kam Leere, und immer mehr war Stille möglich, Stille in mir. Erst subtil, gar nicht wahrnehmbar, fand ich in totaler Ergebenheit zu mir.
Das war so gewaltig, dass ich es nicht einzuordnen wusste. Was war mit mir passiert? War es der Anfang vom Ende, war ich jetzt in einer Psychose gelandet? Aber Halt, es fühlte sich gut an.
Etwa zur selben Zeit durfte ich, quasi im Wechsel, zu verschiedenen Energiebehandlungen, die ich fast wöchentlich in Anspruch nahm. Ich sehe noch genau die Momente, die mich so sehr verwunderten, dass ich mich wieder freute, weil beinahe jedes Mal ein Trauma gelöst worden war. Es war einfach unglaublich. Diese Lösungen führten über viel Schmerz im Fühlen, aber dann war die Erinnerung wie neutral, es tat nicht mehr weh, wenn ich mich erinnere. Ich kann gar nicht genau in Worte fassen, wie das alles geschehen ist, aber es fühlte sich an wie der Himmel.
Es kamen in diesen Wochen auch völlig neue Erkenntnisse zu mir, um die ich weder gesucht noch gebeten hätte, einfach so, wie aus heiterem Himmel herab geschneit, direkt vor meine Füße. Die Gewissheit der Reinkarnation, die Gewissheit über den Seelenplan und vieles mehr wurde für mich zu meiner Wahrheit und half mir zu mehr Bewusstsein in dieser Zeit. Es verringerte mein Leid enorm und ich erkannte meinen Weg in neuem Licht.
2011 hatte ich eine Ausbildung als Trauerbegleiterung absolviert bei R.M.Smeding – Trauer Erschliessen. Damals war noch keine Diagnose bei meinem Mann bekannt. Heute weiß ich, dass es meine Vorbereitung auf diesen Schicksalschlag war.

Somit war mir auch bekannt, dass der Weg der Trauer, wenn sie gefühlt und gegangen wird, früher oder später zur Begegnung mit dem Selbst führt, wie die Individuation nach C.G. Jung und Verena Kast dies beschreibt. Das war aber Theorie, die ich gelesen aber nicht erfahren hatte.
Dass die Begegnung mit dem Selbst eine so gewaltige, alles durchdringende Wende in mein Leben bringt, damit war für mich nicht zu rechnen. Das war für mich so bahnbrechend neu, selbst als praktizierende Christin, die annahm, dass Gott ihr bereits immer nahe war. Das war er auch, aber ich war mir nicht bewusst, wer ich in Wirklichkeit war und es war bis dorthin mehr eine Vorstellung, ein Denken über Gott. Mit einem mal war alles anders. Ich war erwacht. Was ich erlebte, fühlte sich komplett neu und großartig an. Es war etwas, das meinen Schmerz mit Licht füllte und ihn wie auflöste. Damit will ich nicht sagen, dass der Schmerz endgültig nicht mehr kam. Nein. Er kommt auch heute noch, aber ich habe keine Angst mehr davor.
Diese Erfahrungen von Traumalösung über geistig-energetische Methoden und dieser alles neu machender Begegnung mit dem Göttlichen haben mich zu dem „Meine Trauer“-Kongress geführt, den ich 2018 veranstaltete. Ich wusste, dass ich damit nach aussen gehen werde.
Wieder, mit einem Impuls ausgestattet, habe ich mich erneut aufgemacht, um mit meiner Aufwacherfahrung nach außen zu gehen. Ich möchte mit Menschen über das Schöpferbewusstsein sprechen. Meine Erfahrung zeigte mir auch, dass das Erkennen von ICH BIN ausreicht, damit wir in einen Fluss kommen, das Universum uns zuspielt. Ich habe erfahren, dass ich meine Intuition viel besser wahrnehme seither, dass ich Impulsen klar folge und diese sich als wunderbare Erfahrungen zeigen, die ich niemals mit dem Verstand im Voraus berechnen hätte können. Geld floss zu mir ohne mein Zutun, weil ich unbewusst mich genau nach den Spielregeln des Resonanzgesetzes verhalten habe. Ich war ganz im Vertrauen, dass für mich gesorgt wird.
Ich möchte alle Trauernden und auch nicht trauernden Menschen (im Grunde ist bereits die Vorstellung, dass wir getrennt sind von Gott, ein solcher Schmerz, den es zu heilen gilt) erinnern, wer sie sind.
Dabei hilft uns das Bewusstsein und das Erwachen, die Erinnerung daran, wer wir in Wirklichkeit sind.
Es ist meine Aufgabe, die mit dem Erwachen in der Trauer endgültig geklärt werden konnte, dich zu ermutigen, dich deiner Seele zuzuwenden. Folge der Sehnsucht deiner Seele.
Sie wird dir den Weg aus dem Schmerz zeigen hin zur Freude und Entfaltung deiner Selbst in Liebe.
Dein Leben macht Sinn, denn du bist das Licht und hier um diese Erfahrung zu machen, um zu wachsen und dich als Licht in der Dunkelheit zu erfahren.
In Liebe Ursula Warga


Ursulas Schöpferbewusstsein-Kongress läuft vom 22.03. bis 31.03.2019. In dieser Zeit kannst du dir täglich drei der Videos kostenlos ansehen. Am 29.03. gibt es darin ein Interview mit mir (Silke) zu sehen. Hier kannst du dich anmelden:

 

2018 hat Ursula bereits den „Meine Trauer“-Kongress veranstaltet. Du findest ihn hier.

 

   
Spendenbox Helfen dir meine Texte?
Ich freue mich, wenn du etwas zurück geben magst. Das geht via Paypal: https://www.paypal.me/InlauterTrauer
Oder ganz einfach direkt auf mein Konto:
IBAN: DE77 4306 0967 6025 3915 00

Ich danke dir von Herzen für die Wertschätzung meiner Arbeit, Zeit und Liebe, die ich in all das hier fließen lasse ❤

   
Teile diesen Beitrag:
Unterstütze meine Arbeit auf Patreon:
Previous Post Next Post

You Might Also Like

1 Comment

  • Reply Padma Ellen Hochein 27. März 2019 at 14:44

    wirklich schön,
    dass und WIE Du Menschen den Weg aus dem Schmerz hin zur Freude und Entfaltung und des Seelenpotentials und in die tiefe eigene Liebe zeigst.
    Danke, das wird vieles in der Welt, in jedem Einzelnen und im Kollektiv heilen

  • Leave a Reply