Alle reden über Trauer 2019

13

Von Astrid Gosch-Hagenkord

Am 16. Februar wieder dein Geburtstag. 13 Jahre alt wärst du jetzt … wenn du leben würdest. Aber anstatt mich mit einem pubertierenden Mädchen auseinanderzusetzen, stehe ich hier an deinem Grab. Vor 13 Jahren hast du dich – nur ein paar Tage vor deinem voraussichtlichen Geburtstermin – entschlossen, wieder den Rückweg anzutreten und hast uns, deinen Papa und mich, hier in unendlichem Schmerz zurück gelassen.
13 Jahre später: inzwischen habe ich mit der Wunde/Narbe leben gelernt. Und wenn ich zurück blicke, erkenne ich, dass du in meinem Leben so vieles bewirkt und verändert hast. Schon in der kurzen Zeit zwischen deiner Geburt und deiner Beerdigung habe ich gesagt: „In unserem Fall hast du mir bei deiner Geburt ein neues Leben geschenkt.“ Wie konnte ich das damals schon so genau wissen?!
Und es hört nicht auf. In den Tagen vor deinem Geburtstag bin ich wieder mal im Gespräch mit dir.
Mittlerweile kann ich darauf vertrauen, dass du da bist, dass du mir nicht verloren gehst. Ich habe gelernt, lernen müssen oder dürfen (?) eine andere Art von Beziehung zu dir zu finden und zu leben. Mal bist du weiter weg, dann spüre ich dich wieder ganz nah. Im Lauf der Jahre bist du immer mehr zu einer Seelen- schwester von mir geworden, auch wenn du in diesem Leben immer meine Tochter sein wirst.
Aber diesmal ist es anders, du bist nicht so wirklich nah und
nicht besonders liebevoll, hhm.
Du bist – für mich ganz deutlich spürbar – in anderen Sphären
unterwegs, die nicht die menschlichen sind. Auf meine Bitte
hin kommst du zu mir und wir umarmen uns. Aber ich nehme wahr, dass du das nicht brauchst, sondern es mir zu liebe tust. Du gehst nicht empathisch auf meine Gefühle und Gedanken ein, bist fast etwas genervt. Ich brauche ein wenig bis ich verstehe …
Du sagst: „Jetzt ist es mal genug. Ich weiß ja, dass das alles sehr traurig war für euch. Aber je weiter du kommst, je mehr kannst du anerkennen, dass das nur der Weg bis hierher war und der Schmerz wird immer weniger. Du weißt doch, wir haben das so vereinbart, das war dein Weg.“
Und ich verstehe, dass nun wieder etwas Neues kommt, kommen darf. Durch dich habe ich eine Liebe erfahren, die größer ist als die Liebe zwischen Mutter und Tochter. Du hast mich auf einen neuen Weg geschickt. Durch dich habe eine neue Welt nach und nach immer mehr erfahren dürfen und das Lernen hört niemals auf.
Ich erkenne immer klarer meinen Weg, meine Aufgabe hier auf Erden: die Liebe leben. Ich darf da immer mehr hineinwachsen, ins Licht, in die Liebe, zu dir.

Astrid Gosch-Hagenkord
Geburts- und Trauerbegleiterin
www.deine-doula-muenchen.de
astrid@deine-doula-muenchen.de

(Foto Pusteblume: Adina Voicu, pixabay.com) Foto Weg: rihaij, pixabay.com)

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