Alle reden über Trauer 2017

Eingefroren im Nirgendwo

Hinweg katapultiert und zurückgetaut…..wo ist meine Kleine?


Es war 1975. Ich war zwölf. Eines Tages fuhr ein Abschleppwagen mit unserem Auto vor. Nachdem die Polizei wieder weg war, rief mich meine Mutter in die Küche und teilte mir mit, dass mein Vater sich soeben das Leben genommen hatte und auch, auf welche Weise. Kurz zuvor sah ich ihn noch wie so oft bei seinem Tagewerk.

Mein Leben zeichnete, bis ich doppelt so alt war, eine steile Abwärtskurve und seit meine Tochter reinkam, geht es Schritt für Schritt und in letzter Zeit rasant aufwärts.

Den Aspekt, den ich aus all dem teilen möchte, ist dieser hier:

Eines Tages kam die Information rein, dass die Menschen, die Hinterbliebene von Suizid sind, in den Norden katapultiert werden und dort, jeder für sich, im Eis einfrieren. Es kann 2, 3 Generationen dauern, bis sich etwas bewegt, das Eis tauen kann, der erste Enkel mal daran denkt und reinfühlt…..es kam auch sein, dass es hilfreich ist, die Ahnen zu bitten….jedem 2 zur Seite zu stellen auf dass diese drei jeweils in Kontakt kommen und es langsam wärmer wird. Jetzt wo ich das schreibe, kommt mir, daß all die Gefühle und Prozesse, der ganze strahlende lebendige Persönlichkeitskern mit in dem Eis drin sind. Die Trauer also auch.

Dann verbrachte ich einige Ostertage in einer wunderbaren Gemeinschaft. Dort erlebte ich einen Prozess, in dem ich eine Zeitreise machte. Ich fand mich wieder am Tag der Beerdigung, hockte bei meiner inneren Kleinen und zeigte ihr, wie unser Leben weitergegangen ist. Es öffnete sich plötzlich eine Verbindung zwischen den Welten, Licht floß herein, warmes, gelboranges. Helles. Mit dem Licht wurden die ersten Ahnen sichtbar und betraten unser Wohnzimmer, in dem die ganze hinterbliebene Familie schweigend aß.

Kurz zuvor in einem Workshop kamen Bilder rein von meiner 12-jährigen, wie sie in einem Eisblock hockt, wie er beginnt zu tauen und sie dann schlaff und kalt und feucht davor liegt und dann ich sie so in den Armen halte und ihr Leben und Wärme einhauche und dann sie zu den Ahnen bringe und zeitweise ihrer Obhut anvertraue. Wenn ich heute zu ihr schaue, sitzt sie warm und trocken am Feuer, hört zu, isst und schaut. Vorhin auch zu mir rüber, das war eine große Freude. Ich weiss, dass, wenn sie aufsteht und beginnen wird, sich zu bewegen, wird die Trauer vollständig durchbrechen, das ganze Paket…..doch – wir sind gerüstet. Mittlerweile. Aloha!

Ein Tag später: heute war ich in der Natur, fand einen Busch Weidenkätzchen. Die hatte ich früher mit Papa immer gepflückt. Ich verband mich mit der Kleinen, sie lief auf mich zu und wir weinten. Ich rief Papa herbei und wir verabredeten, dass ich ihr einen Busch Weidenkätzchen in den Norden stelle, auf daß sie sich dort finden. Anschließend fand ich einen Baumkreis, einen Kraftplatz, in dem ich ein Ritual vollzog zur Heilung der Erde, welches heute kollektiv stattfand…..ich hatte die Kleine dabei und unser Krafttier. Ich durfte erste Schneeglöckchen finden und jedem auf dem Weg eins schenken. Die Liebe strömt. Segen, Licht und Liebe. Namasté

Claia

   

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